Mehr gute Musik aus Schweden: The Hives melden sich mit ihrem mittlerweile sechsten Studioalbum zurück. Die bereits 1993 gegründete Alternative-Rock Band aus Fagersta hat gut fünf Jahre für die Fertigstellung von Lex Hives benötigt. Wir wollen heute herausfinden, ob das Album dem Ruf der Gruppe gerecht wird.

 

Fiktive Bandmitglieder & maßgeschneiderte Anzüge

 

Gute Musik

The Hives live beim Southside Festival

The Hives: Das sind Sänger Pelle Almqvist, sein an der Gitarre fungierender Bruder Niklas Almqvist, Gitarrist Mikael Karlsson Åström, Bassist Mattias Bernvall sowie der Schlagzeuger Christian Grahn. Als sechstes Bandmitglied nennen die schwedischen Musiker oft Randy Fitzsimmons, der im Allgemeinen jedoch für eine fiktive Figur gehalten wird, da ihn bisher noch niemand zu Gesicht bekommen hat. Das Markenzeichen der fünf Schweden ist ein markanter, von schrammenden Gitarren geprägter Sound – bei ihren Live-Auftritten sind sie außerdem für ihre maßgeschneiderten Anzüge in schwarz & weiß bekannt.

 

Bereits 1993 wurde die Band in der schwedischen Stadt Fagersta ins Leben gerufen. 1996 veröffentlichte man die erste EP, Oh Lord! When? How?, der 1997 das erste Album, Barely Legal, folgte. Während die fünf Jungs anfangs lediglich durch die Clubs des eigenen Landes tourten, vornehmlich als Support Act anderer schwedischer Bands, erweiterten sie später die geographische Reichweite ihrer Auftritte bis in die Vereinigten Staaten von Amerika.

 

Der große Durchbruch

 

Nach einer US-Tour im Jahr 2000 beziehungs-weise 2001 gelang ihnen mit ihrem zweiten und dritten Album, Veni, Vidi, Vicious und Your New Favourite Band, auch der große Durchbruch in Amerika und Europa. Die auf selbigen vertretenen Songs Hate To Say I Told You So und Main Offender wurden zu Genre definierenden Hits: Gute Musik, die noch heute als Aushängeschild der schwedischen Band gilt. So wurden The Hives zu einer der populärsten Vertreter der Rockmusik im neuen Jahrtausend.

 

Im Juli 2004 erschien das vierte Album der Hives unter dem Titel Tyrannosaurus Hives. Die erste veröffentlichte Single, Walk Idiot Walk, sowie die zweite, Two-Timing Touch And Broken Bones, wurden abermals zu Hits, die die Fangemeinde der fünfköpfigen schwedischen Rockband vergrößerten. Bekannt wurden The Hives auch durch ihre furiosen und energiegeladenen Live-Auftritte. Nicht umsonst ernannte sie das Spin Magazin im August 2006 zur Best Live Band In The World und setzte gleichzeitig den Frontmann Pelle Almqvist auf die Liste der 50 Greatest Frontmen Of All Time.

 

2007, drei Jahre nach der Veröffentlichung des vierten Albums, sollte The Black and White Album die Ära der Hives fortsetzen. Bekannt wurde das Album vor allem durch die Singles Tick Tick Boom und Won’t Be Long, welcher als Titelsong für eine Suzuki Werbekampagne in Deutschland verwendet wurde.

 

Der Titel des Albums beziehe sich laut Almqvist auf die gegenwärtige Generation der Menschheit, welche sich zunehmend voneinander distanziert und auseinanderlebt. Der Kontrast zwischen Schwarz und Weiß, welcher auch durch ihr Auftreten in schwarzen und weißen Anzügen widergespiegelt wird, soll die zunehmende Gefahr einer uneinheitlichen, inhomogenen Welt unterstreichen. Eine Entwicklung, der Einhalt geboten werden muss: Denn die Band glaubt fest an die zukünftige Vereinigung aller Menschen. Die Anzüge stellen eine Art Uniform dar, welche Gleichheit repräsentieren soll.

 

Lex Hives

 

Ganze fünf Jahre hat man bei der schwedischen Rockband gebraucht, um neues Material zu produzieren. Eine Zeitspanne, in der im Schnitt fünf neue DSDS Sieger gekürt werden, die die Gesellschaft mit mindestens ebenso vielen unbrauchbaren Alben belästigen. Immer wieder staunt man über die Diskrepanz zwischen dem schnellen und energiegeladenen Arbeitstempo der Hives bei Live Auftritten und der gemütlichen Herangehensweise abseits der Bühne. Vielleicht liegt den fünf Schweden die Studioarbeit einfach nicht besonders.

 

Im Juni 2012 war es schließlich so weit und Lex Hives, das sechste Studioalbum der Hives, wurde veröffentlicht. Doch ist die lange Wartezeit von fast einem halben Jahrzehnt überhaupt gerechtfertigt? Wir haben das Album eingängig untersucht und eines sei schon mal vorweg gesagt: Während sich der Vorgänger noch an Experimenten im Hip Hop und Funk Segment versuchte, kehren The Hives mit dem neuen Album zu ihren Wurzeln zurück. Eine positive Entwicklung, wie wir finden.

 

Das erste Mal hat die schwedische Band ein Album selbst produziert und auf dem eigenen Label veröffentlicht. Es wirkt entschlackt und von wagemutigen Experimenten sowie unnötigem Ballast befreit. Der Charme der Songs der ersten Alben, den manche gerne auch als Wahn bezeichnen, ist zurückgekehrt. Lex Hives hat viele Ecken und Kanten, richtet sich an ein ganz bestimmtes Publikum und ist vermutlich nicht jedermanns Sache. Nein, das waren The Hives sowieso noch nie.

 

Dennoch gefällt uns das Album unglaublich gut: Endlich liefert die fünfköpfige Band wieder direkten und ungeschminkten Rock, geprägt von schrammenden Gitarren, herausgebrüllten Lyrics und eingängigen Beats.

 

Die Atmosphäre ist überdreht und es kracht ordentlich. Das neue Album ist laut, was sich fast schon von selbst versteht, und sollte auch so abgespielt werden, wie es sich eben für gute Rockmusik gehört. Die Gruppe fokussiert sich endlich wieder auf ihre alten Stärken, längst vergessen erscheinen die experimentellen Hip Hop und Funk Ausflüge des Vorgängers. Stattdessen vermittelt uns Almqvist in gewohnt energischer und aufgedrehter Manier seine diversen Anliegen in Liedform – frei nach dem zweiten Album Veni, Vidi, Vicious.

 

Wer sich das Album zu Gemüte führt, wird sofort mit dem Opener Come On wachgerüttelt, der in knapp einer Minute mit zwei Vokabeln auskommt. Auch 1000 Answers, welches ihr weiter oben eingebettet vorfindet, ist ein stramm gebürsteter Song mit Hit-Potential, der ein schönes Old School Feeling vermittelt. Trotzdem ist Lex Hives kein dumpfer Rückgriff auf Althergebrachtes. Eingefleischten Hives-Fans wird auffallen, dass sich oberflächlich zwar nicht viel geändert hat, das Album aber dennoch einer Weiterentwicklung gleichkommt.

 

Der Bass ist weiter in den Vordergrund gerückt, die Gitarren Riffs etwas ausgefeilter und das Schlagzeug gibt in vielen Songs verstärkt den Rhythmus an, wie etwa in Wait A Minute. Ja, es scheint als sei das Rahmenwerk von Lex Hives wahrlich gelungen. Lediglich Go Right Ahead scheint nicht richtig in die Gänge kommen zu wollen, dafür werden wir aber mit eingängigen Hits wie Take Back The Toys belohnt. Dafür verzeiht man den fünf Jungs gerne den leichten Ausrutscher.

 

Gute Musik findet man zu Genüge auf dem neuen Album der Schweden. Es bleibt jedoch ein bitterer Nachgeschmack: Wie es nach diesem stilistischen Schritt zurück weitergehen wird, erfahren wir nämlich vermutlich erst in vier bis fünf Jahren. Leider, denn die neuen Songs machen Lust auf noch mehr.